Körpersprache im Hoopers

Vor einigen Jahren haben wir damit angefangen, ganze Hoopers-Parcours rein mit Wortsignalen und ganz ohne Körperzeichen zu führen. Wir haben auch Videos davon veröffentlicht, aber da wir wohl wenig Erklärungen zu den Beweggründen abgegeben hatten, hat dies in der Hoopers-Szene zu Missinterpretationen und Fehlannahmen geführt. Dies möchte ich im vorliegenden Artikel gerne aufklären. Er behandelt alles, was du zum Thema Körpersprache im Hoopers wissen musst: Wann wird sie eingesetzt? Wie soll das aussehen? Was soll vermieden werden? Was ist erlaubt? Wie sieht das an Turnieren aus?

Das Führsystem von Hoopers Schweiz *navigate your dog* unterscheidet sich vor allem durch den Einsatz von verbalen Signalen und der subtilen Körpersprache von anderen Arten Hoopers-Hunde durch den Parcours zu lotsen.

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Was versteht man aber genau unter Körpersprache und welche verschiedenen Arten und Abstufungen gibt es?

Die wohl extremste Variante von Körpersprache ist das Mitlaufen. Darauf gehe ich nicht gross ein, weil weit verbreitet ist, dass dieses nicht zielführend ist.
Die nächste Abstufung ist ein möglichst grosser Sternschritt kombiniert mit fuchtelnden Armbewegungen. Darüber müssen wir diskutieren. 😉 Diese ausfallenden Bewegungen werden meist versucht spontan zu verwenden, um dem Hund zu helfen. So nach dem Motto: ”Wenn man es schafft, das eine Bein ganz weit nach vorne zu stellen und mit dem Arm mehrfach auf das Hindernis zu deuten, nimmt der Hund das Hindernis vielleicht.” Manchmal mag das ja für die eine oder andere Situation kurzfristig sogar klappen, aber die Nebenwirkungen sind eben immens. Weil dabei weder die Hindernisse noch Richtungsangaben gezielt trainiert werden, löst es bei den Hunden Frust aus, da sie einfach gar nicht genau wissen, was zu tun ist. Ein Deuten in eine Richtung ist leider nicht etwas, was Hunde intuitiv verstehen – für sie ist es einfach nur ein Arm, welcher sich bewegt. Diese Bewegung kann häufig den Hund noch erst recht von seiner Aufgabe ablenken.
Mit der Zeit werden diese Armzeichen dann immer häufiger mit den Hindernissen und Belohnungen verknüpft und der Hund kann anfangen ein gewisses Verständnis zu entwickeln. Nun besteht aber das Problem, dass dieser Hund sich so sehr auf die Körperzeichen verlässt, dass er kaum einen Distanzparcours selbständig laufen kann. Ausserdem kommt das Problem hinzu, dass sich dieser Hund so sehr angewöhnt hat, zurückzuschauen zum Menschen, um eine Info per Körpersprache zu erhalten oder nachzufragen, dass er nicht auf die Parcourslinie und die Hindernisse fokussiert sein kann.

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Soll man denn nun gar keine Körpersprache verwenden?

Wäre das nicht schade, weil das Training von Körperzeichen den Hunden leichter fällt, als verbale Signale zu verstehen?
Dazu sind zwei Punkte zu erwähnen:

  1. Fürs Hoopers sind wir auf das Verständnis der Wortsignale angewiesen. Beim Aufbau der Sportart merkt man dies nicht unbedingt, falls noch keine grossen Distanzen trainiert werden. Jedoch für die wirklich grossen Parcours, bei denen die Hunde ca. 30 Meter vom Hundeführer entfernt sind, geht es nicht ohne verbale Signale. Die Körpersprache hilft bei den weitesten entfernten Stellen nicht, weil der Hund es einfach nicht sieht. Deshalb ist es so wichtig von Anfang an, in das Verständnis von Wortsignalen zu investieren. Ein Hund, welcher sich ohne Distanz auf ein Hörzeichen konzentriert (weil es nicht von Körpersprache “überschattet” wird), wird dieses auch auf Entfernung leichter umsetzen können. Dies ist der Grund, weshalb bei *navigate your dog* die Basisübungen ohne Körperhilfen aufgebaut werden – so erreichen wir eine maximale Selbstständigkeit bei den Hunden für das Absolvieren von Hindernissen und Ausführen von Richtungswechseln.

    Was keinesfalls passieren darf, ist, dass Teams, welche sich gewohnt sind, alle Hilfen einzusetzen, von einem Moment zum anderen keine Körpersprache mehr verwenden. Dies wäre absolut unfair und würde zu Frust bei Hund und vielleicht Mensch führen. Der Hund kann in einer solchen Situation nicht verstehen, was von ihm erwartet wird, weil er es anders gelernt hat. Es ist also keine Lösung, plötzlich auf Körperhilfen zu verzichten, bei einem Hund, welcher nicht so aufgebaut wurde. Stattdessen wird zuerst Schritt-für-Schritt die Selbstständigkeit gefördert und neues Verständnis aufgebaut. Die Körperhilfen werden also weder einfach weggelassen, noch müssen sie abgebaut werden. Wie ist das möglich?! Es werden neue Fähigkeiten und Verständnis für die verbalen Signale aufgebaut. 👍


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  2. Zurück zu der Frage, ob man sich nicht etwas verspielt, wenn gar keine Körperzeichen verwendet werden: Ja, natürlich, absolut! Wie gesagt, für ein flüssiges Absolvieren von weit entfernten Situationen sind Wortsignale unabdingbar (und trainiert werden sie zuerst in der Nähe). Aber für Parcourssituationen, welche nahe beim Hundeführer sind oder Strecken, welche auf den Hundeführer zuführen, können Körperzeichen absolut hilfreich sein – sehr sogar. Absolut essentiell dabei ist, diese Körpersignale strategisch zu trainieren. Bei *navigate your dog* funktioniert das folgendermassen: die Verhalten, welche für den Hoopers-Sport nötig sind, werden einzeln, ohne Hilfen aufgebaut, damit die Hunde sehr selbstständig arbeiten. Es wird an der Distanz dieser Verhalten gearbeitet. Darauf folgend werden Wortsignale für diese Verhalten eingeführt und danach auch Körpersignale. Die Reihenfolge ist hier ganz bewusst so gewählt – zuerst das Wortsignal (damit dieses wahrgenommen, verarbeitet und umgesetzt wird), dann das Körpersignal. Diese Körpersignale sind meist eher unauffällig/subtil – was aber vor allem wichtig ist: es sollten keine hektischen Bewegungen sein (diese könnten den Hund wieder von seiner eigentlichen Aufgabe – das Absolvieren der Hindernisse – ablenken) und sie müssen eben trainiert werden. Das heisst, auch Körpersignale werden ganz bewusst gewählt, es gibt einen Prozess, bei dem sie eingeführt werden, und das Verständnis dafür wird beim Hund immer weiter gefördert. Man sollte nie davon ausgehen, dass Hunde Körperzeichen einfach intuitiv verstehen.Yti1QMk%TlKDcvFksWQ+9Q_thumb_18

Und wieso genau werden denn überhaupt Körpersignale trainiert, wenn wir doch die Wortsignale haben?

Für einen Turnierlauf zum Beispiel wollen wir natürlich alles einsetzen, was wir haben! 😁 Wie bereits beschrieben, gibt es Situationen, bei denen ein Körpersignal helfen kann. Ja, dann wollen wir dieses natürlich bereit haben! Grundsätzlich sind Körperzeichen ja nicht untersagt. Man muss immer unterscheiden, ob Fähigkeiten trainiert werden (wie das Verständnis für Wortsignale – dann werden keine Körperhilfen verwendet) oder ob Fähigkeiten abgefragt werden (wie für einen Parcourslauf – dann wird alles verwendet, was aufgebaut wurde).
Und um auf Parcoursläufe zurück zu kommen, welche komplett ohne Körperzeichen geführt werden: bei Hoopers Schweiz machen wir das ab und zu, um zu testen, wie gut die Wortsignale funktionieren. Es ist eine Spielerei, die viel Spass macht und wichtige Einsichten hervorbringt.

Zusammengefasst heisst dies:

Die Hauptaufgabe ist das Training der Selbstständigkeit und der Wortsignale (für Hindernisse und Richtungsangaben). Dafür und somit in der absoluten Mehrheit der Trainingszeit werden keine Körperzeichen verwendet. Zusätzlich machen wir uns den Aufwand, Körpersignale aufzubauen. In einem Turnier- oder anderen Parcourslauf fügt sich dann (normalerweise) alles zusammen.

PS, eine Anmerkung: mit Körperhilfen sind nicht nur die Arme gemeint. Wenn man Wortsignale aufbauen will, ist es absolut essentiell dabei keinerlei Körperbewegung zu machen. Verzichtet werden also auch auf Kopf- oder Kinnbewegungen 😉 oder “Schulterimpulse”. Alle diese würden leider dieselben Nachteile mit sich bringen, wie Armbewegungen:

  • Der Hund achtet primär darauf und nimmt das Wortsignal weniger wahr.
  • Der Hund gewöhnt sich an, zurückzuschauen und auf die Hilfe zu warten.
  • Der Hund wird abhängig davon.

Lass uns doch gerne an deinen Erfahrungen und Auffassungen zum Thema Körpersprache im Hoopers teilhaben. Wir freuen uns auf einen Kommentar von dir!

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